Johann Georg Pisendel (1687 - 1755)


wurde am 2. Weihnachtsfeiertag 1687 als 5. Kind der Kantorsfamilie Pisendel in Cadolzburg in Mittelfranken geboren.

Pisendels Vater Simon entstammte einer Färberfamilie aus Markneukirchen im Vogtland. 1680 bewarb sich der Vater nach erfolgreichem Schulbesuch in Nürnberg um vakante Stellen in Cadolzburg, u.a. um die des Organisten und Kantors und die des Schulmeisters. Simon Pisendel heiratete 26-jährig im Januar 1681 in Langenzenn die 18 Jahre junge Bäcker- und Bürgermeisterstochter Cunigunda Züll aus Langenzenn. Umgehend zogen sie nach Cadolzburg, wo noch im November 1681 ihr 1. Kind (Salome) geboren wurde.

Schild

Die frühen Kinderjahre erlebte Johann Georg Pisendel in seinem Elternhaus zusammen mit seinen Eltern und einer 3 Jahre älteren sowie einer 3 Jahre jüngeren Schwester. Vater Simon Pisendel, „ein besonderer Liebhaber der Music, der alle Instrumente verstund, hat der Jugend, so Lust dazu hatte“ und auch seinem einzigen Sohn Johann Georg frühzeitig Musikunterricht erteilt. „Besonders der helle Knabensopran Johann Georgs gefiel und verbreitete viel Freude“, auch bei allerlei kirchlichen Anlässen.

Haus

Geburtshaus von Johann Georg Pisendel


So „entdeckte“ der damalige Burgherr Cadolzburgs, Markgraf Georg Friedrich d.J. von Brandenburg-Ansbach (1694-1703) das große musikalische Talent des Jungen, weil er 1697 wieder mal aus Ansbach zur Visite des Oberamtes in seine fränkische Hohenzollernburg Cadolzburg und am Sonntag früh natürlich auch zum Gottesdienst in die alte gotische St.-Cäcilien-Kirche kam. „Kantor Simon Pisendel spielte an diesem Sonntag munter auf seiner Orgel ein für Sopran und Orgel gesetztes italiänisches Motett“ - und sein 9-jähriger Sohn Johann Georg war der Solo-Sopran... Dem kunstsinnigen Markgrafen fiel die schöne Knabenstimme und dessen Musikalität auf. ..Der Markgraf fand an der Geschicklichkeit des jungen Sängers so viel Vergnügen, daß er ihn sogleich in seine Ansbacher Kapelle aufnahm“.

Der 9-jährige Johann Georg Pisendel kam 1697 nach Ansbach. Er besuchte das Gymnasium, wo nun auch seine besondere Sprachbegabung auffiel. Er erhielt vom Kapellmeister Francesco Antonio Pistocchi Gesangsunterricht, und er wurde von demselben 6 Jahre lang, bis zu seinem Stimmbruch, als Sopranist der Ansbacher Hofkapelle betreut. Darüber hinaus erhielt Pisendel in Ansbach von Maistro Guiseppe Torelli Geigen- und Kompositionsunterricht. Von 1704-1709 war er deshalb ein sehr aktiver Violonist der Ansbacher Hofkapelle, die unter der Leitung seines virtuosen Lehrers stand.

Als 1703 Markgraf Georg Friedrich d.J. starb, konnte Pisendel dank seines großen und vielfältigen Lerneifers und Könnens in Ansbach bleiben, obwohl der neue Markgraf Wilhelm Friedrich (1703-1723) sofort ganz dringende Sparmaßnahmen ergreifen musste. Erst 1709, nach 12 Jahren in Ansbach (1697-1709), machte sich der nun 21 Jahre alte Johann Georg Pisendel zu weiteren Studien in Richtung Leipzig auf, nicht ohne die markgräfliche Zusicherung, jederzeit in die Hofkapelle rückkehren zu können.

In Cadolzburg starb im April 1701 Johann Georg Pisendels Mutter nach 20 Ehejahren
im Alter von 38 Jahren, gerade drei Monate nach der Geburt ihres 13. Kindes, das nur eine Woche alt wurde. Ins Sterberegister schrieb der Pfarrer damals vor 300 Jahren wörtlich: „ . . selig verschieden, so christlich, gottesfürchtig, tugendsam, züchtig, still, eingezogen, sanftmütig, eine sehr fleißige Kirchgängerin so andächtig zugehöret. Mit ihrem Mann Simon Pisendel, Cantoris und Organist, eine gar friedlich Ehe geführet“. Nur 4 ihrer 13 Kinder überlebten die Mutter. Ihr einziger Sohn Johann Georg war gerade 13 Jahre alt, als sie starb. 1702 heiratet Vater Simon Pisendel erneut, nämlich die Pfarrerstochter Johanna Elisabetha Schenk aus Bürglein bei Heilsbronn. Dieser 2. Ehe entstammen noch 7 weitere Pisendel-Kinder, wovon aber nur 3 Mädchen das Kleinkindalter überlebten.

Die Reise Johann Georg Pisendels von Ansbach nach Leipzig im Jahr 1709 unterbrach der junge Musiker für kurze Zeit in Weimar, denn er suchte und fand dort die Bekanntschaft mit Johann Sebastian Bach, der am Weimarer Hofe zu dieser Zeit als Organist wirkte.

In Leipzig ließ sich Pisendel zwar sofort an der Universität Leipzig immatrikulieren, suchte aber offensichtlich eine noch erfolgversprechendere Weiterbildung, z.B. als Geiger im „Collegio Musico“ unter der Leitung von Georg Philipp Telemann.

Als Pisendel, kurz nach seiner Ankunft in Leipzig, 1709, dem ‘Collegio Musico’ vorzuspielen hatte, wurde er nach zeitgenössischen Berichten zunächst offensichtlich nur nach seiner Kleidung von einem Mitglied namens Götze verspöttelt: „Was will doch das Pürschlein hier? Ja, ja, der wird uns was Rechtes vorgeigen . . . Pisendel legte indeß sein Concert auf, welches von seinem Ansbacher Meister TORELLI war. Und kaum hatte Pisendel das erste Solo zu spielen angefangen, sah ihn Götze voll Bewunderung an. Aber noch mehr wirkte das Adagio auf Götze: der riß sich seine Perüque vom Kopfe, warf sie auf den Boden, konnte kaum das Ende des Violinsolos abwarten, um dann Pisendeln vor Entzücken zu umarmen und ihm seine Hochachtung zu versichern.“ Sofort war Pisendel als Geigenvirtuose des Collegio Musico engagiert.

Leipzig war, zumindest zu dieser Zeit, die deutsche Hochburg für Musik. Die Namen Corelli, Torelli, Vivaldi und Albinoni waren dort in aller Munde. „Die bisher eher französiche Musikart wandelte sich mit blendenden Effekten, Vortragsmanieren und Formeigenheiten. Was staunten die anderen deutschen Geiger, als die ersten dieser Vivaldischen Violinkonzerte aus Leipzig eintrafen“.

In Leipzig erhielt Pisendel zwei besondere Einladungen an die Höfe nach Hessen-Darmstadt, um eine Graupner-Oper einzustudiern und zu dirigieren und nach Eisenach, wo jetzt sein Freund Georg Philipp Telemann Hof-Kapellmeister war. Der für Pisendel aber alles entscheidende Ruf nach Dresden kam vom Dresdner Hofkapellmeister Volumier, der 1711 in Leipzig Pisendels Virtuosität wahrnahm. Er machte Pisendel sofort ein gutes Angebot als „Violiste und Cammer Musicus“ an die Dresdner Hofkapelle zu wechseln. Ende 1711 nahm Pisendel dieses Angebot an. In der Dresdner Hofkapelle arbeitete er sich rasch zum „ersten Violisti“ hoch. Er wurde berühmt durch die taktgebundene Violinhaltung und die strenge Strichführung des Violinbogens. „Der Ruhm der Dresdener Hofkapelle begründet sich zum größten Teil auf diese Erziehungsarbeit von Johann Georg Pisendel . . “ schrieb Quantz damals als Zeitgenosse, Komponist, Schriftsteller und Flötist der Dresdner Hofkapelle.
1728 wird Johann Georg Pisendel Konzertmeister der Hofkapelle Dresden und bleibt dies 27 Jahre lang, bis zu seinem Tode 1755.

Textzusammenstellung von Lorenz Flohr, Cadolzburg 2003.

Alle Zitate sind der Monographie von Albrecht Treuheit entnommen: „Johann Georg Pisendel (1687-1755). Geiger – Konzertmeister – Komponist. Dokumentation seines Lebens, seines Wirkens und Umgangs und seines Werkes“, hrsg. vom Heimatverein Cadolzburg u. Umg. e.V., Markt Erlbach: Druckerei H. Feuerlein, 1987.
Dieses Buch von Albrecht Treuheit ist (fast) völlig vergriffen.
Bei ganz besonderem Interesse sollten Sie sich dennoch an uns wenden.

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